Was ist ein ULT-Freezer?
ULT steht für „Ultra-Low Temperature" (Ultratiefkühlung). Ein ULT-Freezer erreicht Temperaturen von etwa −70 °C bis −86 °C und wird überall dort eingesetzt, wo Proben oder Produkte über lange Zeiträume hinweg zuverlässig tiefgefroren bleiben müssen – weit unter dem Bereich klassischer Laborfreezer (−20 bis −40 °C).
Um diese sehr tiefe, konstante Temperatur zu erreichen, arbeiten ULT-Freezer meist mit einem zweistufigen Kompressor-Kaskadensystem statt eines einzelnen Kältekreislaufs: Eine erste Kältestufe kühlt vor, eine zweite erreicht darauf aufbauend die Zieltemperatur. Das macht die Geräte leistungsfähiger, aber auch energie- und wartungsintensiver als Standardkühlgeräte.
Bauformen: Schrank oder Truhe?
ULT-Freezer gibt es grundsätzlich als Standschrank (senkrechte Tür, Innenraum mit Regalböden oder Racks) oder als Truhe (Deckel von oben, Innenraum mit Körben oder Boxen).
| Merkmal | Schrank | Truhe |
|---|---|---|
| Temperaturrückkehr nach Öffnen | langsamer – kalte Luft fällt beim Öffnen heraus | ✔ schneller – kalte Luft bleibt unten im Innenraum |
| Zugriff & Übersicht | ✔ komfortabler, Racks auf Augenhöhe | umständlicher, Zugriff von oben |
| Stellfläche | ✔ geringerer Grundriss, mehr Höhe | größerer Grundriss, dafür niedriger |
| Typische Raumnutzung | Labor- und Büroumgebung | Lager, Keller, Nebenraum |
Faustregel: Wer häufig auf einzelne Proben zugreifen muss, ist mit einem Schrank meist besser bedient. Wer große Mengen über lange Zeit bei maximaler Temperaturstabilität lagert und seltener öffnet, profitiert von einer Truhe.
Größen und Kapazität
Das Platzangebot reicht von kompakten Tischgeräten bis zu Großraumlösungen – die Wahl hängt vor allem vom erwarteten Probenaufkommen und dem verfügbaren Stellplatz ab.
Tischgeräte, ca. 30–100 Liter
Für kleinere Probenmengen, Prüfzentren oder Arbeitsplätze ohne eigenen Geräteraum. Beispiele aus unserem Sortiment: Fryka B35 (−50 °/−85 °C) und Fryka TS-100/TUS-100.
Standgeräte, ca. 300–500 Liter
Der verbreitetste Bereich für Labor- und Klinikbetrieb. Beispiele: Thermo TSX Freezer, Thermo TSX Core Freezer, Thermo TDE Ultratiefkühlschränke.
Großraumgeräte, ca. 400–730 Liter
Für Biobanken und hohe Probenaufkommen. Beispiel: Liebherr ULT SUFsg.
Truhen, ca. 85–570 Liter
Für große Lagermengen bei seltenerem Zugriff. Beispiele: Thermo TDE C Serie, Fryka TT/TT-Logg.
Ausstattung und Technik
Alarm & Datenlogger
Optischer und akustischer Alarm bei Temperaturabweichung und Stromausfall, idealerweise ergänzt um einen kalibrierten Datenlogger und Fernüberwachung (z. B. GSM-Alarm).
Racks, Boxen & Schubladen
Für die geordnete Lagerung vieler kleiner Proben statt loser Gebinde – passende Ordnungssysteme für Kühl- und Tiefkühlschränke finden Sie in unserem Zubehör-Bereich.
Zugangskontrolle
Abschließbare Türen bzw. Deckel, teils mit Zugangsprotokollierung – relevant überall dort, wo nur berechtigte Personen Zugriff auf das Lagergut haben dürfen.
Stromausfall-Überbrückung
Durch hohe thermische Masse halten gut isolierte ULT-Freezer die Temperatur auch bei Stromausfall oft mehrere Stunden – ein Stromausfallmelder ergänzt die Absicherung sinnvoll.
Anwendungsbereiche
ULT-Freezer kommen in sehr unterschiedlichen Branchen zum Einsatz – gemeinsam ist ihnen der Bedarf an zuverlässiger, langfristiger Tiefstkühlung:
Pharma & Impfstoffe
Lagerung mRNA-basierter Impfstoffe und anderer temperaturkritischer Biologika, die bei Standard-Kühltemperaturen nicht stabil sind.
Labor & Forschung
Langzeitarchivierung von Zelllinien, Enzymen, DNA-/RNA-Proben und anderen empfindlichen biologischen Materialien.
Knochen- & Gewebebanken
Tiefgefrorene Langzeitlagerung von Knochen- und Gewebetransplantaten, typischerweise im ULT-Bereich – die genauen Vorgaben richten sich nach den jeweils geltenden Richtlinien der Gewebebank.
Industrie & Werkstoffprüfung
Konditionierung von Prüfproben für Tieftemperaturprüfungen wie den Kerbschlagbiegeversuch. Mehr dazu im Ratgeber Tief- und Tiefstkälte in der Industrie.
Klinische Studien
Lagerung von Serum, Plasma, PBMC und mRNA-basierten Prüfpräparaten nach Sponsor- und GCP-Vorgaben. Mehr dazu im Ratgeber Kühlgeräte für klinische Studien.
Kurzcheckliste vor dem Kauf
- Welche Zieltemperatur wird tatsächlich benötigt – reicht ein Standard-Laborfreezer (−20/−40 °C) oder ist echte Ultratiefkühlung nötig?
- Schrank oder Truhe – wie oft wird auf einzelne Proben zugegriffen?
- Wie viel Volumen wird realistisch benötigt (Füllstand plus Puffer, siehe Hinweis oben)?
- Ist ein Alarm- und Überwachungssystem vorgeschrieben oder sinnvoll?
- Ist ausreichend Stellfläche, Belüftung und eine passend abgesicherte Stromversorgung vorhanden?
- Werden Racks, Boxen oder sonstige Ordnungssysteme für den Innenraum benötigt?
Fazit
ULT-Freezer sind Spezialgeräte – wer sie richtig auswählt, spart langfristig Energie, Platz und Ärger. Die Zieltemperatur und das benötigte Volumen stecken den Rahmen ab, Bauform und Ausstattung richten sich nach der Zugriffshäufigkeit und den Anforderungen der jeweiligen Anwendung. Im Zweifel lohnt sich ein kurzes Gespräch mit einem Fachberater, der Anwendung, Budget und Platzverhältnisse gemeinsam betrachtet.
