Was unterscheidet einen Laborkühlschrank vom Haushaltskühlschrank?
Der wichtigste Unterschied liegt in der Temperatursicherheit. Haushaltskühlschränke schwanken je nach Füllmenge und Türöffnung um mehrere Grad — für Lebensmittel tolerierbar, für Laborproben, Reagenzien oder Impfstoffe ein ernstes Problem. Laborkühlschränke sind darauf ausgelegt, die eingestellte Temperatur konstant zu halten, unabhängig von Türöffnungen oder wechselnder Beladung.
Hinzu kommen technische Ausstattungsmerkmale, die in Laborgeräten Standard sind, in Haushaltskühlschränken aber fehlen: Temperaturalarm, Datenaufzeichnung, abschließbare Türen, potentialfreie Kontakte für externe Überwachungssysteme und ein explosionsgeschützter Innenraum für bestimmte Anwendungen.
Schritt 1: Den richtigen Temperaturbereich wählen
Die wichtigste Frage zuerst: Bei welcher Temperatur soll das Lagergut aufbewahrt werden? Je nach Anforderung kommen grundlegend unterschiedliche Gerätetypen in Frage.
+2 bis +8 °C — Laborkühlschrank
Für Reagenzien, Impfstoffe, Blutproben, Medikamente. Pflicht: DIN-13277-konformes Gerät für Medizin und Apotheke.
−20 bis −35 °C — Laborfreezer
Standardtiefkühlung für die meisten Laborproben, Enzyme, Bakterienkulturen sowie chemische Substanzen.
−40 bis −60 °C — Tiefstkühlung
Für empfindliche biologische Proben, Gewebeproben, spezielle Chemikalien. Höherer Stromverbrauch als Standardgeräte.
−80 bis −86 °C — ULT-Freezer
Für Zelllinien, RNA, langfristige Probenarchivierung, mRNA-Impfstoffe. Spezialgeräte mit hohem Energiebedarf — Planung und Belüftung wichtig.
Schritt 2: Umluft oder statische Kühlung?
Die Kühltechnik beeinflusst, wie gleichmäßig die Temperatur im Innenraum verteilt wird — und ob bestimmte Lagergüter darin aufbewahrt werden dürfen.
| Merkmal | Umluft (Ventilator) | Statische Kühlung |
|---|---|---|
| Temperaturgleichmäßigkeit | ✔ Sehr gleichmäßig | Gut, aber Zonen möglich |
| Abtauverhalten |
Kühlbereich: kein Abtauen nötig Tiefkühlbereich: automatisch (No-Frost) |
Kühlbereich: kein Abtauen nötig Tiefkühlbereich: manuelle Abtauung erforderlich |
| Austrocknung offener Proben | Möglich bei unverschlossenen Gefäßen | ✔ Kein Luftstrom, schonender |
| Ex-Schutz kombinierbar | ✔ Ja (funkenfreie Ausführungen) | ✔ Ja |
| Typische Einsatzbereiche | Labor, Klinik, Apotheke | Blutbank, sensible Zellkulturen |
Schritt 3: Das richtige Volumen bestimmen
Größer ist nicht immer besser. Ein zu großes Gerät kühlt Proben nach dem Öffnen langsamer zurück auf Solltemperatur; ein zu kleines führt zu überfülltem Innenraum und Temperaturproblemen.
Planen Sie ca. 30–40 % Puffer zum erwarteten Füllstand ein — so bleibt genug Raum für Luftzirkulation. Das nutzbare Volumen hängt dabei stark von der Organisation des Innenraums ab: Racks, Einschübe und Schubladen reduzieren zwar das geometrische Bruttovolumen, ermöglichen aber in der Praxis eine deutlich effizientere Raumnutzung — mehr Proben auf gleicher Fläche, bessere Übersicht, schnellerer Zugriff. Passende Ordnungssysteme für Kühlschränke und Edelstahlracks für Tiefkühlschränke / ULTS finden Sie in unserem Zubehör-Bereich.
Kleine Labore / Arztpraxen
50–150 Liter, Unterbaugeräte möglich
Mittlere Labore / Apotheken
150–400 Liter, Standgeräte
Kliniken / Biobanken / Pharma
400–730 Liter, ggf. Großraumgeräte
Probenarchivierung / Biobank
Mehrere Geräte oder Großraumlösung planen
Ein halb leerer Kühlschrank ist temperaturtechnisch problematischer als ein voller — beim Öffnen der Tür erwärmt sich der Innenraum schneller, weil wenig Masse die Kälte „speichert". Füllen Sie freie Flächen einfach mit Wasserflaschen oder Kühlakkus auf. Wasser hat eine besonders hohe Wärmekapazität und puffert Temperaturschwankungen effektiv ab.
Hinweis: Dummy-Ware klar beschriften — z. B. „Kein Medikament" — um Verwechslungen im Arbeitsalltag auszuschließen.
Schritt 4: Brauchen Sie Ex-Schutz?
Wer entzündliche Lösungsmittel oder flüchtige Chemikalien lagert, benötigt einen Kühlschrank mit explosionsgeschütztem Innenraum. Standardkühlschränke enthalten im Innenraum elektrische Bauteile (Thermostat, Beleuchtung), die als Zündquelle wirken können.
Mehr dazu im Ratgeber Explosionsschutz.
Schritt 5: Alarmsysteme und Überwachung
Für regulierte Bereiche (Apotheke, Klinik, GMP-Labor) ist eine lückenlose Temperaturprotokollierung Pflicht. Aber auch in nicht regulierten Laboren gilt: Ohne Alarm merkt niemand, wenn ein Gerät nachts ausfällt — und wertvolle Proben sind verloren.
Integrierter Alarm
Optischer und akustischer Alarm bei Temperaturabweichung und Netzausfall. Bei DIN-13277-Geräten für mindestens 12 Stunden vorgeschrieben.
Fernüberwachung
Potentialfreier Kontakt zum Anschluss externer Systeme — z. B. SMS-Alarm, E-Mail-Benachrichtigung oder zentrale Gebäudeleittechnik.
Datenlogging
Kontinuierliche Aufzeichnung der Innentemperatur. In vielen Geräten integriert; extern erweiterbar mit USB-Datenloggern oder Netzwerksystemen.
Smarte Systeme
Liebherr SmartMonitoring, Weatherhub oder Mobeye ermöglichen Echtzeit-Überwachung per App oder Web-Dashboard — auch für mehrere Geräte gleichzeitig.
Schritt 6: Aufstellungsort und Umgebungsbedingungen
Laborkühlschränke sind für bestimmte Umgebungstemperaturen ausgelegt (sog. Klimaklassen). Wird ein Gerät in einem sehr warmen Raum oder einer kalten Werkshalle betrieben, kann das die Kühlleistung erheblich einschränken oder das Gerät beschädigen.
Kurzcheckliste vor dem Kauf
- Welche Zieltemperatur wird benötigt? (+8 °C / −20 °C / −40 °C / −86 °C)
- Was wird gelagert? (Medikamente → DIN 13277 erforderlich; Lösungsmittel → Ex-Schutz prüfen)
- Wie viel Volumen wird tatsächlich gebraucht? (Füllstand + 30–40 % Puffer)
- Umluft oder statische Kühlung? (offene Gefäße → statisch bevorzugen)
- Ist ein Alarm- oder Überwachungssystem vorgeschrieben oder sinnvoll?
- Wie warm oder kalt ist der Aufstellungsort? (Klimaklasse beachten)
- Ist ausreichend Belüftungsraum vorhanden? (besonders bei ULT-Geräten)
Fazit
Die Auswahl des richtigen Laborkühlschranks oder Labortiefkühlschranks beginnt immer mit der Frage nach der Zieltemperatur und dem Lagergut — daraus ergibt sich meist schon die Gerätekategorie. Die weiteren Kriterien (Volumen, Kühltechnik, Ex-Schutz, Überwachung) lassen sich dann systematisch abarbeiten. Im Zweifel lohnt sich ein kurzes Gespräch mit einem Fachberater, der die Kombination aus Anforderung und Budget kennt.
Persönliche Beratung
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