Warum reicht ein normaler Kühlschrank nicht?
Ein gewöhnlicher Kühlschrank enthält im Innenraum zahlreiche elektrische Bauteile: Beleuchtung, Lichtschalter, Temperaturregler, Abtauautomatik. Jedes davon ist eine potenzielle Zündquelle. Befinden sich im selben Innenraum Chemikalien, die leicht flüchtige Dämpfe abgeben — etwa aus einem undichten oder offenen Behälter — kann sich eine explosionsfähige Atmosphäre bilden. Ein einziger Funke genügt.
Deshalb schreibt die DGUV Information 213-850 (Richtlinien für Laboratorien) vor: Im Innenraum von Kühlgeräten, in denen brennbare Flüssigkeiten gelagert werden, dürfen keine Zündquellen vorhanden sein.
Welche Vorschriften gelten?
Für explosionsgeschützte Laborkühlschränke sind in Deutschland und Europa zwei Regelwerke maßgeblich:
Die europäische Produktrichtlinie regelt den Bau und das Inverkehrbringen von Geräten für explosionsgefährdete Bereiche. Seit dem 30. Juni 2003 dürfen nur noch ATEX-konforme Geräte in Verkehr gebracht werden. In Deutschland wurde die Richtlinie durch die Explosionsschutzverordnung (11. GPSGV) in nationales Recht umgesetzt.
Die Laborrichtlinie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung regelt den sicheren Betrieb von Laboratorien. Abschnitt 5.2.9.1 behandelt explizit Kühlschränke und Kühltruhen beim Umgang mit Gefahrstoffen und definiert die Mindestanforderungen an den Explosionsschutz.
Die Technische Regel für Gefahrstoffe 526 (Laboratorien) konkretisiert die Anforderungen aus der Gefahrstoffverordnung für Laborarbeitsplätze — unter anderem bei der Lagerung und Bereitstellung brennbarer Flüssigkeiten in Kühlgeräten.
„Innenraum ex-geschützt" — was bedeutet das genau?
Es gibt einen wichtigen Unterschied, den Käufer kennen sollten:
| Gerätetyp | Innenraum | Aufstellung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Innenraum ex-geschützt | ✔ Frei von Zündquellen | Normale Umgebung | Labor, Chemie, Pharma |
| Vollständig ATEX-zertifiziert | ✔ Frei von Zündquellen | In Ex-Zonen (Zone 1/2) | Industrieanlagen, Ex-Bereiche |
| Standard-Laborkühlschrank | ✗ Zündquellen vorhanden | Normale Umgebung | Nur nicht-brennbare Stoffe |
Die meisten Laboranwendungen erfordern einen Kühlschrank mit explosionsgeschütztem Innenraum — dieser wird außerhalb von Ex-Zonen aufgestellt, schützt aber zuverlässig vor Entzündung der gelagerten Stoffe. Geräte, die ausschließlich für den Innenraum ex-geschützt sind, müssen zudem mit dem Hinweis „Nur Innenraum frei von Zündquellen" gekennzeichnet sein.
Für welche Stoffe ist ein ex-geschützter Kühlschrank nötig?
Grundsätzlich immer dann, wenn brennbare Flüssigkeiten mit niedrigem Flammpunkt gelagert oder bereitgehalten werden. Typische Beispiele aus dem Laboralltag:
Ethanol, Aceton, Diethylether, Methanol, Isopropanol, Pentan — häufig in der organischen Chemie, Analytik und Reinigung eingesetzt.
Viele Reagenzien in der chemischen und pharmazeutischen Forschung sind leicht entzündlich und müssen bei niedrigen Temperaturen gelagert werden.
Bestimmte Klebstoffe, Lacke und Industriechemikalien mit brennbaren Lösemittelanteilen erfordern ebenfalls eine ex-geschützte Lagerung.
Kann ein normaler Kühlschrank umgebaut werden?
Grundsätzlich ja — die DGUV 213-850 erlaubt den Umbau von Standardgeräten unter bestimmten Voraussetzungen: Beleuchtung und Lichtschalter müssen abgeklemmt, Temperaturregler mit eigensicherem Stromkreis versehen und Abtauautomatiken außer Betrieb gesetzt werden. Wanddurchführungen sind dauerhaft zu verschließen.
In der Praxis ist der Kauf eines zertifizierten Geräts jedoch meist wirtschaftlicher und rechtssicherer — der Umbau ist aufwändig, muss dokumentiert werden und überträgt die Verantwortung für die Normenkonformität auf den Betreiber.
Aufstellung in explosionsgeschützten Bereichen (Ex-Zonen)
Der bisher beschriebene Standard-Fall — Kühlschrank mit explosionsgeschütztem Innenraum, aufgestellt in normalem Laborumfeld — reicht nicht aus, wenn das Gerät selbst innerhalb einer klassifizierten Ex-Zone aufgestellt werden soll. Das ist z.B. relevant in der chemischen Industrie, in Produktionshallen oder überall dort, wo auch außerhalb des Kühlschranks explosionsfähige Atmosphären auftreten können.
In diesen Fällen greift die ATEX-Zoneneinteilung, die vorschreibt, welche Gerätekategorie in welcher Zone zulässig ist:
| Zone (Gas/Dampf) | Beschreibung | Erforderliche Gerätekategorie |
|---|---|---|
| Zone 0 | Explosionsfähige Atmosphäre ständig oder häufig vorhanden | Kategorie 1G |
| Zone 1 | Explosionsfähige Atmosphäre im Normalbetrieb gelegentlich | Kategorie 2G (oder höher) |
| Zone 2 | Explosionsfähige Atmosphäre nur selten und kurzzeitig | Kategorie 3G (oder höher) |
Zudem ist der Betreiber verpflichtet, ein Explosionsschutzdokument zu erstellen, in dem die Zoneneinteilung der betroffenen Bereiche dokumentiert und die Eignung der eingesetzten Geräte nachgewiesen wird. Die Grundlage dafür bildet die ATEX-Betriebsrichtlinie 1999/92/EG in Verbindung mit der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV).
Fazit
Wer im Labor entzündliche Chemikalien kühlt, kommt an einem ex-geschützten Gerät nicht vorbei — rechtlich wie sicherheitstechnisch. Die relevanten Vorschriften (ATEX 2014/34/EU, DGUV 213-850, TRGS 526) sind eindeutig. Ein zertifiziertes Gerät mit explosionsgeschütztem Innenraum bietet für den Laboreinsatz die einfachste und sicherste Lösung. Soll das Gerät dagegen in einer klassifizierten Ex-Zone aufgestellt werden, ist eine vollständige ATEX-Zertifizierung des gesamten Geräts erforderlich — hier lohnt sich eine individuelle Beratung.
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